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Wie viel Geld sollte am Monatsende übrig bleiben?

„Der Monat ist weg, das Geld auch" – diese Erfahrung kennen viele. Aber wie viel sollte realistisch übrig bleiben? Hier findest du Faustregeln, einkommensabhängige Richtwerte und konkrete Schritte wenn die Antwort gerade „nichts" lautet.

📅 Zuletzt aktualisiert: Juni 2026 ⏱ Lesezeit: ca. 6 Minuten

⚡ Das Wichtigste auf einen Blick

  • Faustregel: mindestens 10–20 % des Nettoeinkommens sollten übrig bleiben
  • Die 50-30-20-Regel: 50 % Fixkosten · 30 % variabel · 20 % sparen
  • Wenn nichts übrig bleibt: das ist fast immer ein Fixkostenproblem, kein Einkommensproblem
  • Weniger als 5 % Restbetrag = strukturelles Signal zum Handeln
  • Sparen funktioniert besser wenn es wie eine Fixausgabe behandelt wird

Die Faustregel: 10–20 %

Als allgemeine Orientierung gilt: Am Monatsende sollten mindestens 10–20 % des Nettoeinkommens als Sparbetrag übrig bleiben. Bei niedrigem Einkommen ist auch weniger realistisch – wichtiger als die absolute Höhe ist die Regelmäßigkeit.

Restbetrag am Monatsende Bewertung Handlungsbedarf
Über 20 % des Nettos Sehr gut Investitionen prüfen
10–20 % des Nettos Gut Status halten
5–10 % des Nettos Ausreichend Fixkosten optimieren
Unter 5 % des Nettos Kritisch Sofort Fixkosten prüfen
0 € oder im Minus Strukturproblem Vollständige Analyse nötig

💡 Einordnung

Interessant: Die meisten Menschen bewerten ihren finanziellen Zustand danach wie viel am Monatsende „gefühlt" übrig bleibt – nicht danach was tatsächlich übrig ist. Wer seine Ausgaben nicht vollständig kennt, kann diesen Wert gar nicht korrekt einschätzen. Der erste Schritt zur Verbesserung ist deshalb immer die genaue Bestandsaufnahme.

Richtwerte nach Einkommen

Absolute Zahlen helfen besser als Prozentwerte. Hier Orientierungswerte für verschiedene Nettoeinkommensklassen:

1.500 € Netto / Monat

z.B. Berufseinsteiger, Teilzeit

150–300 €

Zielbereich (10–20 %)

2.500 € Netto / Monat

z.B. Fachkraft, Vollzeit

250–500 €

Zielbereich (10–20 %)

3.500 € Netto / Monat

z.B. Senior-Position

350–700 €

Zielbereich (10–20 %)

5.000 € Netto / Monat

z.B. Führungskraft, Freelancer

500–1.000 €

Zielbereich (10–20 %)

Wichtig: Diese Werte sind Orientierungen, keine Gesetze. Wer hohe Kreditraten oder besonders hohe Mietkosten hat, landet realistisch eher bei 5–10 %. Wer mietfrei wohnt, kann deutlich über 20 % sparen.

Die 50-30-20-Regel

Die bekannteste Budget-Richtlinie teilt das Nettoeinkommen in drei Blöcke:

50%

Fixkosten & Grundbedarf

Miete, Nebenkosten, Versicherungen, Abos, Lebensmittel, Mobilität (Grundbedarf)

30%

Variable Ausgaben & Freizeit

Restaurants, Shopping, Hobbys, Urlaub, Kultur

20%

Sparen & Schuldenabbau

Notgroschen, ETF-Sparplan, Tilgung, Altersvorsorge

In der Praxis ist die Regel besonders in Großstädten schwer einzuhalten – allein die Miete überschreitet oft 30–40 % des Nettoeinkommens. Die Regel ist ein Ziel, kein starres Gesetz.

📊 Praxis-Beobachtung

In der Praxis scheitert die 50-30-20-Regel fast immer an Block 1. Nicht weil die Menschen zu viel für Freizeit ausgeben, sondern weil die Fixkosten zu hoch sind – oft durch Verträge die Jahre zurückliegen und nie überprüft wurden. Wer Block 1 kennt und optimiert, hat an den anderen Blöcken plötzlich wieder echten Spielraum.

Was tun wenn nichts übrig bleibt?

Wenn am Monatsende konsequent nichts oder zu wenig übrig bleibt, gibt es zwei mögliche Ursachen – mit sehr unterschiedlichen Lösungen:

Ursache A: Zu hohe Fixkosten

Das ist der häufigste Fall. Verträge die irgendwann abgeschlossen wurden und nie überprüft werden, Abos die automatisch laufen, Tarife die sich nie verändert haben – obwohl günstigere längst verfügbar wären.

Lösung: Alle Fixkosten vollständig erfassen, auf Monat umrechnen, systematisch auf Notwendigkeit und Preis prüfen. Lies mehr dazu im Artikel Fixkosten berechnen.

Ursache B: Zu hohe variable Ausgaben

Wenn Fixkosten realistisch sind, aber trotzdem nichts übrig bleibt, sind variable Kosten das Problem. Meistens Restaurants, Lieferdienste, Impulskäufe und Ausgaben die gar nicht bewusst wahrgenommen werden.

Lösung: Kontoauszüge der letzten 3 Monate kategorisieren, den größten Posten identifizieren, dort konkret ansetzen. Lies mehr im Artikel Monatliche Ausgaben berechnen.

Warum es meist ein Fixkostenproblem ist

Variable Kosten werden bewusst erlebt – jeder Restaurantbesuch ist eine aktive Entscheidung. Fixkosten laufen automatisch und werden deshalb selten hinterfragt.

Das führt zu einem typischen Muster: Menschen sparen beim Kaffee, beim Restaurant, beim Kino – während im Hintergrund monatlich 50 € für ein ungenutztes Fitnessstudio, 30 € für ein vergessenes Software-Abo und 15 € für einen Dienst abgehen, den niemand mehr nutzt.

📊 Praxis-Beobachtung

„Der Monat endet vor dem Gehalt" ist in den meisten Fällen kein Einkommensproblem – sondern ein Fixkostenproblem. Menschen mit demselben Einkommen haben je nach Fixkostenstruktur einen Spielraum der um 300–600 € differieren kann. Wer seine Fixkosten einmal systematisch bereinigt, hat oft mehr Spielraum als erwartet – ohne das Einkommen zu erhöhen.

Sparen wie eine Fixkost behandeln

Die effektivste Sparmethode ist gleichzeitig die einfachste: Den Sparbetrag wie eine Fixausgabe behandeln – also am ersten des Monats sofort überweisen, bevor irgendetwas anderes bezahlt wird.

Der Unterschied zum „Sparen was übrig bleibt": Am Ende des Monats ist fast nie etwas übrig. Nicht weil zu wenig verdient wird, sondern weil Ausgaben auf das verfügbare Geld skalieren. Wer zuerst spart, skalieren die Ausgaben auf weniger.

Pay-yourself-first

Gehaltseingang → sofort Sparbetrag überweisen → mit dem Rest den Monat bestreiten.
Starter-Empfehlung: 5–10 % des Nettoeinkommens, konsequent jeden Monat.

Mehr zur Budgetstruktur liest du im Artikel Haushaltsbudget erstellen.

Interaktiver Richtwert-Rechner

Trag dein Nettoeinkommen ein und sieh deinen persönlichen Zielbereich:

Fazit

Wie viel am Monatsende übrig bleiben sollte, hängt von Einkommen, Lebensumständen und persönlichen Zielen ab. Die Faustregel von 10–20 % ist ein guter Ausgangspunkt – kein Gesetz.

Wer gerade unter dieser Marke liegt, findet die Lösung fast immer bei den Fixkosten: vollständig erfassen, auf Monat umrechnen, systematisch bereinigen. Was danach übrig bleibt, ist der echte Spielraum – für variable Ausgaben, für Sparen, für Freiheit.

Tobias Siena, Gründer TASflow

Tobias Siena

Gründer von TASflow

Tobias hat TASflow entwickelt, weil er selbst keine datenschutzfreundliche Lösung für wiederkehrende Haushaltskosten gefunden hat. Er beschäftigt sich seit Jahren mit Haushaltsplanung, Fixkostenanalyse und dem Aufbau einfacher Finanzübersichten für Privatpersonen. Mehr über Tobias →

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